UNI 3/2003
Wer auf Jobsuche ist, kann nicht nur in den Stellenbörsen im Internet oder in der Zeitung fündig werden. Rekrutierungsmessen bieten Bewerbern und Unternehmen ein Forum, um sich gegenseitig kennen zu lernen und ein erstes Vorstellungsgespräch zu führen. Doch wie ist die Atmosphäre und was denken die Bewerber über den Erfolg einer Messeteilnahme?
Bewerben für die Bewerbung: Inzwischen haben sich eine Vielzahl unterschiedlicher Recruitingmessen etabliert: Neben berufs- oder branchenspezifischen Veranstaltungen gibt es solche, zu denen man „einfach so“ gehen kann und wieder andere – wie die Careergardens –, für die im Vorfeld auf der Internetseite des Veranstalters ein Bewertungsbogen ausgefüllt werden muss. „Wir treffen dann eine Vorauswahl und vergleichen Noten und Studienzeiten. Weitere Kriterien sind Praktika, internationale Erfahrungen und soziales Engagement“, berichtet Anja Cakmak, PR-Referentin beim Rekrutierungspezialisten HR Gardens. Außerdem sollten die Bewerber ihr Studium innerhalb der nächsten sechs Monate abschließen oder schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt haben.
Nach der Vorauswahl präsentiert HR Gardens den teilnehmenden Unternehmen geeignete Kandidaten. Darauf entscheiden sich die Unternehmen, mit wem sie in Interview führen wollen. Wenn sich mindestens ein Unternehmen für ein Gespräch mit dem Bewerber entscheidet, wird er eingeladen. „Für diese Veranstaltung haben sich 1000 Jungakademiker beworben, 270 haben wir als Teilnehmer eingeladen.“ Gute Chancen haben derzeit IT-Spezialisten und Ingenieure, aber auch Hochschulabsolventen.
Persönliche Beratung: Am Ende des Veranstaltungsfoyers sitzt ein junger Mann hinter einem Tisch. Immer ist er ins Gespräch mit dem einen oder anderen Teilnehmer vertieft. Es scheint, als hätte er keine freie Minute und sei einer der begehrtesten Gesprächspartner auf dieser Recruitingveranstaltung: Karriereberater Dr. Thorsten Knobbe von arbeitszeugnisse.de berät individuell Teilnehmer im Zehn- bis Zwanzig-Minuten-Takt.
Gerade hat wieder eine junge Frau Platz genommen. Sie legt ihre Bewerbungsmappe auf den Tisch. Knobbe begutachtet sie mit seinem geübten Blick. Und sofort fällt ihm etwas ins Auge: „Das Bewerbungsfoto ist professionell. Doch Sie schauen nicht direkt in die Kamera.“ Auch zu dem Inhalt des eigentlich perfekten Lebenslaufs hat er noch kritische Anmerkungen. „Schulausbildung und Studium würde ich voneinander trennen und nicht unter einer gemeinsamen Überschrift abhandeln.“
Dass die Zeiten für Bewerber härter werden, merkt auch Knobbe. Noch vor zwei Jahren war der Andrang bei so einer Beratung weniger groß. „Zurzeit ist ein ungeheurer Beratungsbedarf da.“